Bewerber aufgrund von Hartz IV zu mehr Kompromissen bereit
Hartz-IV-Reformen haben die Besserung am Arbeitsmarkt unterstützt.
Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat bei rund 23.500 Unternehmen in den Jahren 2005 und 2006 eine repräsentative Betriebsbefragung durchgeführt und ist dabei zu interessanten Ergebnissen gekommen:
So hat die Befragung ergeben, dass Bewerber aufgrund von Hartz IV zu mehr Kompromissen bereit sind. Die Hartz-IV-Reform habe dazu geführt, dass Arbeitslose seit dem Inkrafttreten der Reform eher bereit sind, Abstriche hinsichtlich der Lohnhöhe, der Arbeitsbedingungen und des Qualifikationsniveaus einer Stelle zu machen.
Mit dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) wurde im Januar 2005 die so genannte Hartz-IV-Reform eingeleitet. Sie zielt einerseits auf eine effizientere Betreuung und Vermittlung arbeitsloser Personen ab, um diese schneller als vor der Reform in Beschäftigung zu bringen oder ihre Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern („Fördern“). Andererseits sollen die Arbeitslosen zu stärkeren Eigenbemühungen bei der Arbeitsplatzsuche animiert werden („fordern“). Dafür wurden die Zumutbarkeitsregelungen für die Annahme eines Stellenangebotes verschärft und strengere Sanktionsmöglichkeiten bei Ablehnung einer Stelle oder einer Qualifizierungsmaßnahme eingeführt.
Mit der Rechtslage nach der Hartz-IV-Reform haben sich die individuellen ökonomischen Risiken eines Arbeitsplatzverlustes und einer länger andauernden Arbeitslosigkeit erhöht. Das Niveau der staatlichen Hilfen sinkt durch den verkürzten Bezugszeitraum des Arbeitslosengeldes I für viele Leistungsbezieher bereits nach einem Jahr deutlich. Der sich dann anschließende Bezug von Arbeitslosengeld I ist dann abhängig von der Höhe des vorhandenen Vermögens sowie dem Einkommen des Ehe- und Lebenspartners. Bei vorhandenem Vermögen in Form von Eigentum oder Sparguthaben ist dieses vor dem Bezug von ALG II vorrangig zu verwerten.
Dieses Prinzip des Förderns und Forderns hat nach Ansicht der Betriebe zumindest bei einem Teil der Bewerber zu Verhaltensänderungen geführt, so schreiben die Autorinnen der IAB-Studie Anja Kettner und Martina Rebien. Jeder dritte Betrieb sieht demnach einen Zusammenhang zwischen Änderungen im Bewerberverhalten und der Hartz-IV-Reform. Mehr als jeder fünfte Betrieb berichtete, dass er häufiger als früher Initiativbewerbungen von arbeitslosen Bewerbern erhalten hat. Vor allem die mittleren und großen Betriebe – immerhin 43 Prozent von ihnen – verzeichneten Zuwächse.
Außerdem gab etwa jeder fünfte Betrieb an, dass die Konzessionsbereitschaft arbeitsloser Bewerber in Hinblick auf die Lohnhöhe, die Arbeitsbedingungen und das Qualifikationsniveau der Stelle gestiegen war. Diese Annahme trifft auch auf die Bereitschaft zu, besondere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren (Z.B. Schichtdienste, ungünstige Arbeitszeiten, weite Anfahrtswege).
Vor allem die Betriebe, die eine höhere Konzessionsbereitschaft beobachtet haben, konnten schwer besetzbare Stellen leichter besetzen. Sie haben auch häufiger neue Arbeitsplätze für gering entlohnte Tätigkeiten geschaffen. Jeder fünfte Betrieb mit Neueinstellungen konnte 2005 Arbeitsplätze für gering entlohnte Tätigkeiten und damit für tendenziell Geringqualifizierte leichter besetzen als im Vorjahr.
In der Befragung hat durchschnittlich jeder zehnte Betrieb neue Arbeitsplätze für gering entlohnte Tätigkeiten eingerichtet.
Hartz IV hat den Beschäftigungsaufbau unterstützt
Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Reform nicht nur die Stellenbesetzungen erleichtert, sondern auch die Besserung am Arbeitsmarkt und den wirtschaftlichen Aufschwung unterstützt hat. Dies gilt gerade auch im geringqualifizierten Bereich. Gerade die Betriebe, die in der Befragung eine gestiegene Konzessionsbereitschaft bei den Bewerbern beobachteten, konnten häufiger als der Durchschnitt Stellen einfacher besetzen als vor der Reform oder haben vor allem für Geringqualifizierte Stellen neu geschaffen.
„Die aus Sicht der Betriebe positiven Entwicklungen im Bewerberverhalten zeigten sich in beiden Befragungsjahren. Die Hartz-IV-Reform hat damit den Beschäftigungsaufbau positiv flankiert“, so die Autorinnen der IAB-Studie.
Die IAB-Studie kann im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb1907.pdf abgerufen werden.
Quelle: IAB Kurzbericht Nr. 19/2007

