Trotz aller Jubelstürme: IAB zieht nüchterne Bilanz für den Arbeitsmarkt
Zugenommen haben vor allem Teilzeitstellen
Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 29.12.2006 unter Berufung auf AP:
„Die Arbeitsmarktbilanz 2006 ist trügerisch: Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr von über fünf, auf zuletzt unter vier Millionen gesunken ist, haben weitaus weniger Menschen eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle gefunden, als es die Zahlen vermuten lassen. „Die treibende Kraft des Beschäftigungsaufbaus war die Zunahme der Teilzeitstellen einschließlich geringfügiger Beschäftigung und Ein-Euro-Jobs“, lautet die nüchterne Bilanz des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Tatsächlich nahmen die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im Jahresschnitt zwar um etwa 120.000 auf 26,36 Millionen zu. Diese Entwicklung ist jedoch ausschließlich auf ein Plus bei den Teilzeitstellen zurückzuführen. Laut IAB stiegen diese um 160.000 auf 4,6 Millionen, während die Zahl der Vollzeitjobs um 40.000 auf 21,76 Millionen sank. Da sich dieser Rückgang jedoch bis zur Jahresmitte kontinuierlich abschwächte und zuletzt bei Null lag, geht das IAB davon aus, dass seither wieder Vollzeitstellen geschaffen wurden. Genaue Zahlen lagen aber noch nicht vor.
Der gleiche Trend wie bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs ist bei den Arbeitsverhältnissen insgesamt zu sehen: Auch hier stieg die Zahl der Arbeitnehmer im Jahresvergleich deutlich an (plus 221.000 €). Das Wachstum resultiert aber ebenfalls aus einem kräftigen Anstieg bei den Teilzeitstellen inklusive Ein-Euro- und Mini-Jobs (plus 301.000), während die Vollzeitstellen erneut abnahmen (minus 80.000). 2004 hatte der Rückgang allerdings noch mehr als eine halbe Million betragen, 2005 noch 464.000.
„Die Schaffung von Teilzeitstellen ist ein typischer Prozess, wenn eine Volkswirtschaft in einem Strukturwandel steckt“, erklärt Volkswirt Alexander Koch von der HypoVereinsbank. Damit der Aufschwung nachhaltig sei, müssten allmählich die Vollzeitstellen wieder zunehmen. „Wir erwarten für 2007 eine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt“, zeigt sich Koch zuversichtlich.“
Quelle: SZ vom 29.12.2006, S. 18

