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Mittwoch, 15. November 2006 21:16 Alter: 2 Jahr(e)

Rüttgers-Vorschlag provoziert Arbeitslosigkeit

 

Wie heisst es so schön: „Er war Politiker und auch sonst frei von Sachverstand...“.

Der Vorschlag des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Rüttgers, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitnehmer zu verlängern, schafft im Falle seiner Durchsetzung zusätzliche Arbeitslosigkeit.

Es ist eine gesicherte Erkenntnis, dass die Arbeitgeber umso mehr Stellen älterer Arbeitnehmer abbauen, je länger die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld ist.

 

Die Arbeitslosigkeit bei den 50- bis 65-jährigen ist hoch und das Beschäftigungsniveau niedrig. Die Gründe dafür liegen in der Tatsache, dass die deutsche Industrie bevorzugt jüngere Bewerber einstellt und ältere Arbeitnehmer in betrieblichen Sanierungsprozessen „sozialverträglich“ freisetzt. Provoziert wird diese alterselektive Personalpolitik durch den (im Moment eingeschränkten) verlängerten Bezug von Arbeitslosengeld für Ältere und anschließende vorgezogene Alterarbeitslosenrente sowie durch die Altersteilzeit im Blockmodell.

Dies zeigt sich in zahlreichen Studien, die belegen, dass die Möglichkeiten eines langfristigen Transferbezugs in Form von der Arbeitslosenunterstützung oder vorgezogene Renten das Beschäftigungs- und Rentenniveau älterer Arbeitnehmer senken. Je großzügiger die Möglichkeit der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld gestaltet ist, desto mehr nimmt die Beschäftigung Älterer ab. Je besser die Absicherung der älteren Arbeitnehmer durch Arbeitslosengeld ist, desto leichter werden sie von einem Unternehmer im Zuge einer Umstrukturierungsmaßnahme entlassen.

Wenn also die Frühverrentung für Arbeitgeber wieder attraktiver wird, dann werden viele Unternehmen ihre älteren Arbeitnehmer zunehmend wieder als sozialpolitische Verfügungsmasse ansehen und entlassen. Dies wird erst Recht zu längeren Phasen der Arbeitslosigkeit führen und erhebliche Rentenabschläge der betroffenen nach sich ziehen. Damit steigt auch das Risiko steigender Altersarmut der Betroffenen.