Generation Praktikum: Infos zum Thema vom BMAS
Der Begriff "Generation Praktikum" ist von der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. zu einem der Wörter des Jahres 2006 auserwählt worden.
Dies ist ein schwacher Trost für diejenigen, die als Vertreter der Generation mit prekären Arbeitsverhältnissen und Praktika ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Die einschlägigen Arbeitgeber nutzen dabei oft die Notsituation von Berufseinsteigern auf einem gesättigten Arbeitsmarkt aus. Die durchschnittliche Entlohnung der bezahlten Praktika (52 Prozent aller Praktika) liegt bei etwa 600 Euro. Frauen erhalten mit 543 Euro im Schnitt deutlich weniger als Männer mit 741 Euro.
Die Hälfte dieser Tätigkeiten ist unbezahlt. Meistens zu Unrecht. Wenn das Praktika nicht dazu dient, Kenntnisse und Erfahrungen zu vermitteln, sondern tatsächlich als ein Vollzeitarbeitsplatz anzusehen ist, dann können den Praktikanten daraus ggf. auch Ansprüche auf eine vollwertige Vergütung zustehen.
Die Entwicklung wir bestätigt durch
eine aktuelle Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Die Zahl der Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die nach dem Studienabschluss ein oder mehrere Praktika machen, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. 37 Prozent der frisch gebackenen Akademiker schließen nach dem Examen ein Praktikum an, elf Prozent sogar noch ein zweites, statt eine reguläre Berufstätigkeit aufzunehmen. Die Häufigkeit von Praktika nach dem Examen hängt auch von der Studienrichtung ab: Überdurchschnittlich verbreitet sind Praktika bei den Absolventinnen und Absolventen in geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächern.
"Praktika nach dem Studium sind zu einer Form der Übergangsarbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen geworden", resümieren Dr. Dieter Grühn und Heidemarie Hecht. Die Forscher an der Freien Universität Berlin haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und der DGB-Jugend junge Frauen und Männer befragt, die im Wintersemester 2002/2003 in Berlin und in Nordrhein-Westfalen ihr Studium abgeschlossen haben. Mehr als 500 Fragebögen konnten sie für die Untersuchung "Generation Praktikum?" auswerten, die am heutigen Donnerstag vorgestellt wird. Damit ist die Untersuchung nicht repräsentativ, erlaubt aber erstmals auf breiter Datenbasis Aussagen darüber, wie oft, wie lange und unter welchen Bedingungen Hochschulabsolventen als Praktikanten arbeiten - und wie ihr Einstieg ins Berufsleben aussieht.
Dabei wird deutlich, dass die Sucharbeitslosigkeit beim Übergang in das Beschäftigungssystem zugenommen hat. Allein der Vergleich zwischen Berliner Absolventen des Wintersemesters 2002/2003 und denen des Jahres 2000 zeigt: Die Quote der Diplomierten oder Magister in Praktikum ist um 16 Prozentpunkte gestiegen. Praktikanten sind vor allem in Medien, Kultur und außerschulischer Bildung anzutreffen, seltener in der Industrie, bei Banken oder im Handel. Und ihre Aufenthalte sind keine Stippvisiten: Die mittlere Dauer eines bezahlten Praktikums beträgt sechs Monate. Unbezahlte Praktika sind mit im Schnitt fünf Monaten kürzer, aber jedes vierte erstreckt sich über mehr als ein halbes Jahr.
Im letzten Herbst bereits entdeckte auch Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sein Herz für Dauerpraktikanten und gab sich kämpferisch: "Die jungen Leute, die aus der Hochschule kommen, dürfen nicht missbraucht werden", forderte er. "Das müssen wir notfalls noch etwas nachdrücklicher erklären, als es in unseren Gesetzen steht."
Herausgekommen ist dabei bisher wenig: Der Praktikanten-Elan der letzten Monate droht in den Mühlen des Politikbetriebes zu verpuffen. Das Arbeitsministerium ist von der Idee einer Gesetzesänderung abgerückt, um Franz Müntefering ist es in der Praktikantenfrage still geworden.
Statt dessen hat das Bundesarbeitsministerium für Betroffene nunmehr ein dennoch lesenswertes arbeitsrechtliches Informationsblatt mit Fragen und Antworten zum Thema veröffentlicht. Die Informationen finden Sie
hier zur Ansicht und zum Download.
Webseite der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.
Webseite des Bundesarbeitsministeriums
Webseite der Hans-Böckler-Stiftung

